The Question about Fasting

“bauchgefühle”: Magenhormone und Stimmung bei Depressionen

neue Veröffentlichung aus dem DFG Projekt zu Ghrelin und Belohnungsverarbeitung

Haben Sie sich jemals gefragt, warum Ihr Magen manchmal „flau“ ist, wenn Sie ängstlich sind? Oder warum im Englischen der Mut mit dem Magen assoziiert wird („having guts“)? Unser alltäglicher Sprachgebraucht könnte einen Hinweis auf eine tiefgründigere Verbindung zwischen unserem Magen und unserer Stimmung geben.

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In unserer neuen Studie zeigen wir, dass das Magenhormon Ghrelin mit unserer Stimmung zusammenhängt. Durch die Untersuchung von 103 Teilnehmenden, darunter Menschen mit Depression und gesunde Kontrollpersonen, konnten wir feststellen, dass höhere Ghrelinspiegel im Blut am Morgen nach einer 12-stündigen Fastenperiode mit einer besseren Stimmung einhergehen.

Interessanterweise fanden wir keinen signifikanten Unterschied zwischen den Ghrelinspiegeln von Personen mit Depression und gesunden Kontrollpersonen an sich. Bemerkenswert war jedoch, dass bei Personen mit Depression der Zusammenhang zwischen den Ghrelinspiegeln und der Stimmung, insbesondere wenn sie keine Medikamente einnahmen, stärker ausgeprägt war als bei den Personen in der Kontrollgruppe. Darüber hinaus zeigte sich, dass Ghrelin stärker mit der momentanen Stimmung zusammenhing, als mit dem allgemeinen psychischen Wohlbefinden oder Angstsymptomatik. Dies legt nahe, dass wir bei der Regulation unserer momentanen Stimmung auf unser „Bauchgefühl“ zurückgreifen und dieses durch die Blutspiegel akut geprägt werden kann.

Diese Erkenntnisse könnten bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen wie der Depression helfen. Indem wir verstehen, wie Hormone wie Ghrelin unsere Stimmung beeinflussen, können wir neue Wege finden, um Depressionen zu behandeln und das Wohlbefinden der Betroffenen zu verbessern. So wird das kurzzeitige Fasten bereits als Stimmungsaufheller eingesetzt. Diese Ergebnisse beleuchten einen möglichen Mechanismus, da Ghrelinspiegel mit Fasten ansteigen. Aber auch für Menschen ohne psychische Erkrankungen ist es interessant, wie sich die Stimmung durch natürliche Maßnahmen wie z.B. Fasten verbessern lässt.

Möchten Sie mehr über die faszinierende Verbindung zwischen Magenhormonen und Stimmung erfahren? Ihre Neugier und Ihr Engagement können dazu beitragen, das Verständnis für die Wechselwirkungen zwischen Körper und Geist zu erweitern. Wir planen derzeit weitere Studien zu diesem Thema und freuen uns über Ihre Unterstützung und Teilnahme. Wenn Sie das nächste Mal was Essen, beobachten Sie doch einmal wie sich ihre Stimmung verändert!

Fahed, R., Schulz, C., Klaus, J., Ellinger, S., Walter, M., Kroemer, N.B. Ghrelin is associated with an elevated mood after an overnight fast in depression. Journal of Psychiatric Research, 2024

Zu viel oder zu wenig Belohnung durch Essen: Warum essen wir mehr als wir sollten?

Lesezeit ~5min

Viele Dinge im Leben sind einfach zu beschreiben – und doch umso schwieriger zu verstehen. Ein solcher offensichtlicher Fakt ist, dass wer mehr Kalorien konsumiert als er verbrennt, dadurch zunimmt. Über einen langen Zeitraum kann dies schließlich zu Übergewicht oder gar Fettleibigkeit (Adipositas) führen. Aber was verursacht den übermäßigen Konsum, der den rasanten Anstieg von Adipositas in den vergangenen Jahrzehnten anzutreiben scheint?

Intuitiv verlockt erst einmal die Annahme, dass man überisst, weil das Essen so gut schmeckt. Um die Ursachen dieser gesteigerten Lust zu erforschen, präsentiert man in wissenschaftlichen Studien Hinweisreize, die mit Essen assoziiert sind und verfolgt, wie das Gehirn diese Reize verarbeitet. Solche Hinweisreize reichen von Fotos von ansprechendem Essen bis hin zu einfachen geometrischen Formen, die die Verabreichung von Schoko-Milchshakes im Magnetresonanztomographen ankündigen. Viele Studien haben eine gesteigerte Gehirnantwort auf solche essensbezogenen Hinweisreize in den „Belohnungszentren“ bei übergewichtigen und adipösen Personen beobachtet. Dies wurde dann als ein gesteigertes Verlangen interpretiert, das durch die Aussicht auf Essen ausgelöst wird. „Zu viel oder zu wenig Belohnung durch Essen: Warum essen wir mehr als wir sollten?“ weiterlesen