The Question about Fasting

“bauchgefühle”: Magenhormone und Stimmung bei Depressionen

neue Veröffentlichung aus dem DFG Projekt zu Ghrelin und Belohnungsverarbeitung

Haben Sie sich jemals gefragt, warum Ihr Magen manchmal „flau“ ist, wenn Sie ängstlich sind? Oder warum im Englischen der Mut mit dem Magen assoziiert wird („having guts“)? Unser alltäglicher Sprachgebraucht könnte einen Hinweis auf eine tiefgründigere Verbindung zwischen unserem Magen und unserer Stimmung geben.

Foto von  Tim Wildsmith, Unsplash https://unsplash.com/de/fotos/ein-offenes-buch-mit-einem-bild-eines-wasserfalls-Xk8wUSX9ZiE

In unserer neuen Studie zeigen wir, dass das Magenhormon Ghrelin mit unserer Stimmung zusammenhängt. Durch die Untersuchung von 103 Teilnehmenden, darunter Menschen mit Depression und gesunde Kontrollpersonen, konnten wir feststellen, dass höhere Ghrelinspiegel im Blut am Morgen nach einer 12-stündigen Fastenperiode mit einer besseren Stimmung einhergehen.

Interessanterweise fanden wir keinen signifikanten Unterschied zwischen den Ghrelinspiegeln von Personen mit Depression und gesunden Kontrollpersonen an sich. Bemerkenswert war jedoch, dass bei Personen mit Depression der Zusammenhang zwischen den Ghrelinspiegeln und der Stimmung, insbesondere wenn sie keine Medikamente einnahmen, stärker ausgeprägt war als bei den Personen in der Kontrollgruppe. Darüber hinaus zeigte sich, dass Ghrelin stärker mit der momentanen Stimmung zusammenhing, als mit dem allgemeinen psychischen Wohlbefinden oder Angstsymptomatik. Dies legt nahe, dass wir bei der Regulation unserer momentanen Stimmung auf unser „Bauchgefühl“ zurückgreifen und dieses durch die Blutspiegel akut geprägt werden kann.

Diese Erkenntnisse könnten bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen wie der Depression helfen. Indem wir verstehen, wie Hormone wie Ghrelin unsere Stimmung beeinflussen, können wir neue Wege finden, um Depressionen zu behandeln und das Wohlbefinden der Betroffenen zu verbessern. So wird das kurzzeitige Fasten bereits als Stimmungsaufheller eingesetzt. Diese Ergebnisse beleuchten einen möglichen Mechanismus, da Ghrelinspiegel mit Fasten ansteigen. Aber auch für Menschen ohne psychische Erkrankungen ist es interessant, wie sich die Stimmung durch natürliche Maßnahmen wie z.B. Fasten verbessern lässt.

Möchten Sie mehr über die faszinierende Verbindung zwischen Magenhormonen und Stimmung erfahren? Ihre Neugier und Ihr Engagement können dazu beitragen, das Verständnis für die Wechselwirkungen zwischen Körper und Geist zu erweitern. Wir planen derzeit weitere Studien zu diesem Thema und freuen uns über Ihre Unterstützung und Teilnahme. Wenn Sie das nächste Mal was Essen, beobachten Sie doch einmal wie sich ihre Stimmung verändert!

Fahed, R., Schulz, C., Klaus, J., Ellinger, S., Walter, M., Kroemer, N.B. Ghrelin is associated with an elevated mood after an overnight fast in depression. Journal of Psychiatric Research, 2024

ARD-Interview zum Behandlungspotenzial der Vagusnerv-Stimulation

Depressionen treten häufig auf und verlaufen in der Regel chronisch. Sie sind nach wie vor schwer wirksam zu behandeln und führen oft zu einer starken Beeinträchtigung. In Deutschland leidet etwa jeder Zehnte im Laufe des Lebens an einer Depression. Ein wesentliches Merkmal sind körperliche Symptome, wie Veränderungen im Appetit oder Verdauungsbeschwerden, die neben einem Verlust an Antrieb und Motivation besonders schwere Depressionen kennzeichnen.

Wie könnte man solche körperlichen oder motivationalen Symptome effektiver behandeln? Eine Idee, die in den letzten Jahren deutlich an Dynamik gewonnen hat, setzt bei der wesentlichen Verbindung zwischen dem Körper und dem Gehirn an: dem Vagusnerv. Dieser Hirnnerv dient als interne Datenautobahn und überträgt Signale zwischen den inneren Organen (z.B. dem Magen) und dem Gehirn. War man anfangs noch auf invasive Stimulationsgeräte angewiesen, gibt es inzwischen nicht-invasive Ansätze. Nun müssen die Geräte nicht erst bei therapie-resistenten Depressionen implantiert werden, sondern könnten bereits frühzeitiger und breiter zum Einsatz kommen.

Ein weiterer Vorteil der Vagusnerv-Stimulation liegt bei der Mobilisierung der Immunantwort des Körpers. Aus Tierstudien ist bekannt, dass eine Stimulation des Vagusnervs gegen Entzündungen helfen kann. Erste Ergebnisse dazu in kleinen Studien bei Menschen mit Entzündungserkrankungen sind ebenfalls ermutigend. So könnten in Zukunft vielleicht auch Erkrankungen behandelt werden, bei denen das Immunsystem gestört ist, wie beispielweise nach einer Erkrankung mit COVID (Long COVID).

Signale vom Körper an das Gehirn auf Knopfdruck

Um das Potenzial der Vagusnerv-Stimulation genauer zu erläutern, wurde Prof. Dr. Nils B. Kroemer als Leiter des neuroMADLABs im ARD-Magazin „Live nach Neun“ interviewt. Durch den nicht-invasiven Einsatz an der Schnittstelle zwischen Körper und Gehirn könnten sich ganz neue Behandlungsoptionen für verschiedene Erkrankungen ergeben. Aktuell wird die Vagusnerv-Stimulation neben der Behandlung von Depressionen auch bei Epilepsie und Migräne eingesetzt, aber es werden noch viele weitere mögliche Therapieansätze momentan in Studien getestet.

Die neuere Generation von Stimulationsgeräten ähnelt äußerlich einem MP3-Player. Über eine Ohrelektrode, die wie ein Kopfhörer getragen wird, setzen wir elektrische Impulse ein, um den am Ohr verlaufenden Ast des Vagusnervs gezielt zu stimulieren. Die Stimulationsstärke lässt sich wie mit Lautstärkeknöpfen individuell anpassen. Sie sollte für die meisten Anwendungen unter der Schmerzschwelle liegen, aber deutlich spürbar sein.

Ausschnitt aus dem Live-Interview mit Nils Kroemer von der Terrasse des WDR in der Kölner Innenstadt. Das Interview ist in voller Länge in der ARD-Mediathek abrufbar.

In unserer Arbeitsgruppe erforschen wir seit mehreren Jahren die Wirkweise der nicht-invasiven Vagusnerv-Stimulation, um gesicherte Erkenntnisse zu Auswirkungen auf das Verhalten und die Stimmung, sowie auf Signale des Gehirns und der Organsysteme zu gewinnen. Solche Studien können dabei helfen, das Verständnis und die Behandlung von verschiedenen psychischen Erkrankungen langfristig zu verbessern.

Was wissen wir bisher über die Wirkung der Vagusnerv-Stimulation?
Die nicht-invasive Stimulation des Vagusnervs ist eine recht neue Methode. Erste Nachweise, dass das Prinzip funktioniert und Veränderungen im Gehirn auslösen kann, gab es vor ca. 20 Jahren. Seit etwa 10 Jahre sind nun auch Geräte auf dem Markt, die für die Behandlung eingesetzt werden können.
Inzwischen weiß man bereits, dass der Einsatz der Stimulation allgemein sicher ist. Außerdem gibt es mehrere unabhängige Studien, die eine Aktivierung der Zielregion im Gehirn nach einer nicht-invasiven Stimulation des Vagusnervs gezeigt haben. Des Weiteren konnten Verbesserungen in der Motivation während der Stimulation und der Stimmung nach der Stimulation gezeigt werden. Auch als Behandlung für verschiedene Störungen konnten erste Erfolge in Pilotstudien berichtet werden, allerdings fehlen hier noch große klinische Studien, die einen klarer Nachweis der Wirksamkeit im Vergleich zu einer geeigneten Kontrollbedingung („Placebo“) zeigen.

Einsatz der nicht-invasiven Vagusnerv-Stimulation im Rahmen unserer Forschung.

Weitere Studien sind nötig, um einen flächendeckenden Einsatz der Vagusnerv-Stimulation zu ermöglichen

Um die klinische Forschung zur Vagusnerv-Stimulation weiter voranzutreiben, suchen wir nach Teilnehmenden für unsere Studien. Aktuell sind Studien mit Vagusnerv-Stimulation bei Patient*innen mit Depressionen oder Long Covid in der Vorbereitung. Außerdem suchen wir ebenfalls nach gesunden Teilnehmenden und Patient*innen für Studien zur Optimierung der Stimulation im Rahmen von Forschungsprojekten. Mehr Informationen finden Sie dazu auf den Seiten zu aktuellen Studien.

Neue Studie zur Vagusnervstimulation und Körpergewicht

Hintergrund

Ihr kennt das vielleicht: Manchmal nehmen wir einen hohen Aufwand in Kauf, um ein Bedürfnis zu befriedigen: wir gehen zum Beispiel einen extra-Umweg, nur um bei unserem Lieblingscafé ein Stück Kuchen zu ergattern. An anderen Tagen aber können wir aber für das gleiche Bedürfnis gar keine Motivation aufbringen. Woran könnte das liegen?

Der Vagusnerv ist ein Hirnnerv, der eine Verbindung zwischen unserem Verdauungssystem und unserem Gehirn herstellt. Außerdem ist er in die Verarbeitung von Belohnung involviert sowie in die Motivation für eine Belohnung zu arbeiten. In unserer aktuellen Studie wollen wir erforschen, wie sich eine Stimulation des Vagusnervs auf unsere Anstrengungsmotivation auswirkt und wie das aktuelle Befinden und unser Körpergewicht dabei eine Rolle spielen.

Studienablauf

Die Studienteilnahme umfasst 4 Untersuchungstermine, sowie ein telefonisches Vorgespräch, bei dem weitere Ein- und Ausschlusskriterien besprochen werden. Jeder der vier Termine dauert ca. 2h (der erste 2.5h). Während der Studie werden verschiedene Aufgaben am Computer bearbeitet, die im Zusammenhang mit Belohnungsverarbeitung und Motivation stehen. Während der Aufgaben stimulieren wir den Vagusnerv über eine externe Elektrode am rechten Ohr. Außerdem gibt es ein Frühstück.

Wer kann teilnehmen?

Für unsere Studie suchen wir freiwillige Studienteilnehmende mit Normal-, Übergewicht oder Adipositas im Alter zwischen 18 und 65 Jahren.

Für die vollständige Teilnahme an der Studie gibt es am Ende eine Aufwandsentschädigung von mindestens 80€ (oder 8 VPS für Studierende) und es können in der Studie zusätzlich noch Snacks und weitere Geld-Gewinne erspielt werden (typischerweise 15-20€)!

Ihre Teilnahme kann dabei helfen, die Rolle des Vagusnervs bei der Steuerung von motiviertem Verhalten besser zu verstehen und das Zusammenspiel mit der Regulation des Körpergewichts zu entschlüsseln. Die Erkenntnisse können dazu beitragen, zukünftig wirksamere Behandlungsmöglichkeiten für Übergewicht oder auch Störungen der Motivation, wie z.B. Depression, zu entwickeln.

neuroMADLAB gewinnt Publikationspreis der Fachgruppe Biologische Psychologie und Neuropsychologie

Im Rahmen der Psychologie und Gehirn (PuG) Konferenz, die dieses Jahr in Tübingen ausgerichtet wurde und online stattfinden musste, wurde ein hochdotierter Forschungspreis für unsere Arbeit verliehen. Monja Neuser gewann den 22. jährlichen Publikationspreis der Fachgruppe Biologische Psychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie 2021. Herzlichen Glückwunsch Monja und allen Beteiligten!

Ausgezeichnet wurde unsere Arbeit zu nicht-invasiver elektrischer Stimulation des Vagusnervs. In einer Stichprobe von 81 gesunden und hungrigen Studienteilnehmenden konnten wir zeigen, dass die Vagusnerv-Stimulation die Motivation erhöht, um für Belohnungen zu arbeiten. Diese Arbeit demonstrierte somit erstmals einen wichtigen Mechanismus der Verhaltenssteuerung beim Menschen, der zuvor bereit im Tiermodell dargelegt werden konnte. Die Veröffentlichung ist Teil einer Reihe von Arbeiten, die in den letzten Monaten aus unserem Projekt zu den Auswirkung der Vagusnerv-Stimulation am Ohr auf Motivation, Stimmung und Aktivität des Verdauungstrakts hervorgegangen ist.

Wir hoffen, dass wir mit der Veröffentlichung einen wichtiger Beitrag zum grundlegenden Verständnis von physiologischen Prozessen bei der Steuerung der Belohnungsverarbeitung liefern können. Folglich kann mit unseren Erkenntnissen der Einsatz der Vagusnerv-Stimulation möglicherweise in Zukunft im Bereich von Störungen der Motivation oder Regulation des Körpergewichts schnelle eine Unterstützung bieten.

Monja Neuser ist seit 2018 Doktorandin in der Arbeitsgruppe und forscht an den neuronalen und psychologischen Grundlagen von Belohnungsverhalten. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im Bereich der Binge Eating Störung, bei der die Betroffenen unter einem Kontrollverlust ihres Essverhaltens leiden, der bisher kaum verstanden ist.

Die Arbeit wurde 2020 in Nature Communications veröffentlicht und ist hier abrufbar: https://www.nature.com/articles/s41467-020-17344-9

Studie zu Essanfällen verlängert bis Ende Mai 2021

WEITERHIN TEILNEHMENDE MIT UND OHNE ESSANFÄLLE GESUCHT

Die Studie läuft seit gut einem Jahr und wurde kürzlich noch einmal verlängert, um die anvisierte Zahl von 60 Teilnehmerinnen (mit und ohne Essanfälle) zu erreichen.

Haben Sie Interesse an einer Studienteilnahme? Füllen Sie einfach unser kurzes Formular zur Studienteilnahme aus und wir werden uns umgehend bei Ihnen melden: